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Fährunglück - War es Mord?

Justiz ermittelt wegen "vorsätzlicher Tötung" - Schiff war für 90 Millionen Mark versichert


Von EVANGELOS ANTONAROS

Athen, Tödliche Schlamperei oder Mord, das ist die Frage, der die griechischen Ermittler nach dem Fährunglück in der Ägäis mit mindestens 66 Toten nachgehen. 473 der etwa 540 Menschen an Bord überlebten den Untergang der "Express Samina" vor der Insel Paros.
Fest steht: Der Kapitän und sein Erster Offizier waren zum Zeitpunkt des Aufpralls gegen ein 23 Meter hohes Riff nicht auf der Brücke. Und das, obwohl starke Nordwinde tobten und das Schiff sich nur drei Seemeilen vor der Hafeneinfahrt befand. Der Grund: Die Männer sahen im Fernsehen das Champions-League-Spiel des Hamburger SV gegen Panathinaikos Athen.
Tassos Psychogios, der Erste Offizier, sagte dem Staatsanwalt: "Ich übernehme die ganze Verantwortung." Ihm hatte Kapitän Wassilis Jannakis die Verantwortung über das altersschwache Schiff anvertraut, weil er die Live-Übertragung aus dem Volksparkstadion sehen wollte. Aber auch Offizier Psychogios zog es vor den Bildschirm. Daher schaltete er den Autopiloten ein - und verließ ebenfalls die Brücke. Als er einige Minuten später zurückkam, war es schon zu spät: "Ich sah die Portes-Riffe 200 Meter vor uns und rief dem Steuermann zu: 'Links, links!'" Vergebens. Psychogios versuchte dann nach eigenen Angaben selbst, das Steuer noch herumzureißen, aber das Schiff schrammte das Riff, schlug leck.
Ein Experte: "Es ist kriminell, dass man so vorging." Das Schiff hätte unter keinen Umständen die beim Autopiloten eingespeicherte Route einhalten können, weil die besonders starken Nordwinde es regelrecht "weggeweht" hätten. "Das müssen erfahrene Seeleute doch wissen." Die Folge: Gegen Psychogios, Jannakis und drei weitere Besatzungsmitglieder hat die Staatsanwaltschaft nach ersten Ermittlungen ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Tötung eingeleitet. Untersucht wird auch, ob das Unglück inszeniert worden sein könnte.
Griechenlands Handelsmarine-Minister Christos Papoutsis spricht von einem "völlig unverständlichen Unfall auf einer so viel befahrenen, allen Seeleuten gut vertraute Route in anderthalb Kilometer Entfernung von der Küste". Er hat "harte Konsequenzen" angekündigt. In der Hafenstadt Piräus, wo viele griechische Reedereien ihren Sitz haben, schüttelt man den Kopf über einige Einzelheiten, die zwar nur eine Anhäufung von Zufällen sein können, aber Experten doch äußerst seltsam vorkommen:
Das untergegangene Schiff war erst Ende 1999 zu einem bisher nicht bekannten Preis von der Minoan Lines gekauft und nach Presseberichten für umgerechnet elf Millionen Mark renoviert worden, obwohl es Ende 2000 ohnehin aus Altersgründen außer Dienst gestellt worden wäre.
Zwar ist die Sommersaison sehr lukrativ, während in den Herbstmonaten Subventionen der Regierung fließen. Dennoch fragen sich viele Fachleute, warum das museumsreife Schiff für angeblich umgerechnet 90 Millionen Mark versichert war. Wird beim Untergang keine böse Absicht nachgewiesen, kann und wird die Reederei diesen Betrag mit Sicherheit auch einfordern.
Unklar war gestern immer noch, wie viele Menschen wirklich an Bord waren. Nach Angaben der Reederei waren 465 Passagiere und 62 Besatzungsmitglieder registriert. Wahrscheinlich kommen aber etliche Schwarzfahrer und andere nichtzahlende Passagiere, beispielsweise Kinder unter sechs Jahren, die kostenlos befördert wurden, hinzu. Ein Dutzend Leichen ist noch nicht identifiziert worden. Die Polizei geht davon aus, dass diese Todesopfer entweder illegale Einwanderer oder ausländische Urlauber sein müssen, die von ihren Familien erst dann vermisst werden, wenn sie sich nach der Reise nicht mehr melden. (SAD)

 

 

 

 

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